1.
Was soll ich denn am frühen Nachmittag noch anfangen? Die Wäsche wird nicht rechtzeitig trocknen, bevor er nach Hause kommt. Und der Bub isst im Hort. Im Geschäft brauchen sie mich diese Woche nicht. Aber der Zeitausgleich langweilt mich so wie das Fernsehprogramm. Das war früher besser. “Früher war alles besser.”, sage ich laut… Ich höre mich 14 Sekunden später. Ich balle gleichzeitig beide Fäuste fünfmal zusammen. Kein Schlaganfall, zum Glück!

2.
“Sie vergiften das Blut unserer Kultur“, schreibt einer. Der Algorithmus spielt es mir ein. “Dem ist nichts hinzuzufügen.“ Aber ich bin überhaupt nicht dieser Meinung, ich sage so etwas nicht. Mit dem Telefon in der Hand stehe ich vor dem Spiegel. 14 Sekunden später spreche ich es laut aus. Ich fühle mich willenlos. Der Algorithmus gibt den Takt. Was ich nicht sagen will: materialisiert in Sprache. Und multipliziert. 14 Sekunden vergangen oder Zukunft? Ich weiß es nicht.

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Urbanek, ein präziser Hobbysportler, läuft gerne eine 8,4 Kilometer lange Runde entlang der Donau. Der hagere Mittdreißiger startet vor der Universität, läuft über die Alte Brücke und durch den Sad Janka Krala. Über den Auspic, den Radweg entlang, übersetzt er den Strom nochmals auf der Brücke Lafranconi. Die 3,3 Kilometer entlang der Promenade zurück zur Universität genießt Urbanek. Er zählt seine Atmung, gleicht sie präzise mit seinen Schritten ab. Seine Laufuhr benutzt er zumeist, um sich sein gefühltes Lauftempo bestätigen zu lassen. 764 Meter nach der Brücke Lafranconi fallen Urbanek am 23. August 2025 in 312 Meter Entfernung fünf Polizisten auf, die an der Mauer zur Böschung stehen.

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Der Zug rollt verdammt langsam, obwohl er schneller sein soll. Ich habe etwas Durst und Hunger, fahre vom Nachtdienst nach Hause. Es ist das erste Mal seit eineinhalb Jahren, dass ich den Zug “oben drüber” von Wien nach Bratislava benutzen kann, weil die Grenzbrücke elektrifiziert wurde. Es ist Montagvormittag und der Zug ist erstaunlich voll. Ich bin gespannt, ob die Fahrgäste alle nach Bratislava fahren oder vorher welche aussteigen werden. Die beiden jungen Amerikaner neben mir, die unentwegt mit ihren Handys spielen und sich alle fünf Minuten einen Satz zuwerfen, sicher. Im Zug sitzen viele US-Amerikaner.

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