1.
Das künstliche Licht in der Passage senkt die gefühlte Temperatur gleich um weitere 3 Grad. Die Wetterapplikation auf meinem Telefon zeigt Minus 2 Grad für die Prager Altstadt an. Die Ware wird von niemandem angepriesen. Die Menschen gehen stumm zu den Kassen, ziehen ihre Karten schweigend über die Terminals. Der technische Piepton ersetzt das Dankeschön. 57 Meter geradeaus biegen alle nach Rechts ab und setzen Schritte auf die Karlsbrücke. Ob sie etwas gekauft haben oder nicht, spielt keine Rolle. Jahr und Tag verändert sich hier nichts, ausgenommen die Außentemperaturen und die daran angepasste Kleidung der Touristen und der Debitkartenterminalwächter.

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Pripravít sa, pozor, štart!

Urbanek atmet viermal tief ein, seine Uhr gibt ihn bereits frei. Rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß. Dazu inhaliert er  metronomisch genau Luft. Nach einem Kilometer gestattet ihm sein Lauftempo vierzehn Kilometer zu laufen. Seine Pulsfrequenz bestätigt nach zwei Kilometern.

Gedankenprotokoll Kilometer 3: Der Tuchent unter der Bank an der Bushaltestelle hat heute der Obdachlose gefehlt, Vögel zwitschern kleine und große Terzen.
Gedankenprotokoll nach 35 Minuten und 24: Für zehn Sekunden keine Erinnerung an die Leiche. Hier! 

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1.
Im Winter läuft Urbanek immer von zuhause weg. Seine Kleidung ist dem Wetter entsprechend angepasst. Er weiß nicht, wo er Kleidung ablegen könnte, während er läuft.
Vorbei am erzbischöflichen Sommerpalais läuft er beim Palais Grassalkovich eine Schlaufe und zurück zum Námestie slobody, vorbei am Hauptgebäude der Slowakischen Technischen Universität. Kilometer 2 ist genau am Kollárovo námestie abgeschlossen.

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Vierundneunzig Prozent
Vor längerer Zeit hat Barbora Hrušová herausgefunden, welche Geschmacksträger in welcher Form sie so stark an die Gemüsesuppe ihrer Großmutter erinnert. Zwölf Millimeter große Kohlrabiwürfel, eingepackt in drei Millimeter dicke Karottenscheiben und ungleichmäßig gerupfte Karfiolröschen. Auch weichgekochter Knollensellerie, ebenfalls 12-Millimeter-würfelig geschnitten, schadet der Geschmackserinnerung nicht, er war seltener beigemengt. Seit dem Tod der Großmutter rekonstruiert Barbora die Suppe. Vergeblich und jahrzehntelang.

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Mittagsmenügeschäft, Freitag. Der Kellner arbeitet genau, kennt seine Wege. Er serviert gehetzt, fragt schnell. “Kein Kofola, Pepsi aus der Flasche.” “Nur Reis zu den Hühnerfilets mit Honig-Senf-Sauce. Rosmarinerdäpfel sind heute aus.” Zurück hinter die Bar, Getränkekleinflaschen öffnen, Bestellungen in der Küche abgeben. Kurzer Blick über die Köpfe der Gäste hinweg, dreimal durchatmen; kurzes Kratzen des Vollbartes, nächste Runde, schneller Schritt. Er kann den Betrieb alleine abwickeln, der Gastgarten ist geschlossen. Die Temperatur ist auch zu Mittag nur drei Grad Celsius unter Null. Seit Wochen schon bemüht sich das Wetter in diesem Winter der Jahreszeit tatsächlich zu entsprechen. Auf einem kleinen Tisch in der Mitte des Lokals sitzt eine alte Frau. Sie bezahlt beim Kellner mit Bargeld, das sie langsam aus der Tasche zieht. Der Kellner steckt es sortierend in die Brieftasche.

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