mit dem auto entlang in einem dunklen schattigen tal, parallel dazu ein radweg, der seine funktion nur zwischen verwurzelten kuppen andeuten kann. eine pause. kein licht, kein chlorophyll, kein blatt, kein fahrrad aber ein hotel mit vierzig jahre alten balkonen, frisch asphaltiertem parkplatz und unübersehbarer wandmalerei
erleben – spüren.
ich kann keine fahrradfahrerin erkennen obwohl eine wurzel sechsundvierzig zentimeter lang und dreizehn zentimeter hoch aus dem weg wächst. niemand stürzt und zertrümmert sich mit der wucht von tausendachthundert newton das schlüsselbein. die lichter hinter den balkonen werden nicht eingeschaltet. der asphalt bleibt trocken, kein handgelenk bricht.
erlebt – gespürt.
Mir fällt nicht ein, ob es so etwas schon einmal gegeben hat. Und allein wenn ich daran denke, wird mir kalt. Warum um alles in der Welt, will die Regierung jetzt Wäscheleinen verbieten? Nicht für alle, sagt er, der Regierungskommissär, der mich heute besucht hat. Ein echter Charmeur! Mir ist dabei warm ums Herz, aber die Sache mit den Wäscheleinen verwirrt mich. Wen interessiert, ob Wäsche in den Hintergärten und Höfen gerade oder schief hängt?
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Das künstliche Licht in der Passage senkt die gefühlte Temperatur gleich um weitere 3 Grad. Die Wetterapplikation auf meinem Telefon zeigt Minus 2 Grad für die Prager Altstadt an. Die Ware wird von niemandem angepriesen. Die Menschen gehen stumm zu den Kassen, ziehen ihre Karten schweigend über die Terminals. Der technische Piepton ersetzt das Dankeschön. 57 Meter geradeaus biegen alle nach Rechts ab und setzen Schritte auf die Karlsbrücke. Ob sie etwas gekauft haben oder nicht, spielt keine Rolle. Jahr und Tag verändert sich hier nichts, ausgenommen die Außentemperaturen und die daran angepasste Kleidung der Touristen und der Debitkartenterminalwächter.
Pripravít sa, pozor, štart!
Urbanek atmet viermal tief ein, seine Uhr gibt ihn bereits frei. Rechter Fuß, linker Fuß, rechter Fuß, linker Fuß. Dazu inhaliert er metronomisch genau Luft. Nach einem Kilometer gestattet ihm sein Lauftempo vierzehn Kilometer zu laufen. Seine Pulsfrequenz bestätigt nach zwei Kilometern.
Gedankenprotokoll Kilometer 3: Der Tuchent unter der Bank an der Bushaltestelle hat heute der Obdachlose gefehlt, Vögel zwitschern kleine und große Terzen.
Gedankenprotokoll nach 35 Minuten und 24: Für zehn Sekunden keine Erinnerung an die Leiche. Hier!
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Im Winter läuft Urbanek immer von zuhause weg. Seine Kleidung ist dem Wetter entsprechend angepasst. Er weiß nicht, wo er Kleidung ablegen könnte, während er läuft.
Vorbei am erzbischöflichen Sommerpalais läuft er beim Palais Grassalkovich eine Schlaufe und zurück zum Námestie slobody, vorbei am Hauptgebäude der Slowakischen Technischen Universität. Kilometer 2 ist genau am Kollárovo námestie abgeschlossen.