1.
Der Bademeister versucht zwei Buben streng daran zu erinnern, dass sie gefälligst auf ihre Mutter hören sollen und mit dem Streiten aufhören mögen. Die Kinder ignorieren die Ermahnung gebührlich. Erst ein durch Mark und Bein dringendes
“Dosť!”
beendet den Streit. Aber auch erst, nachdem der Jüngere seinem älteren Bruder schnell noch nachwerfen kann.
Die Mutter und ihre beiden Buben treffen sich oft im “Tehelko” mit einer Freundin und ihrem Sohn. Ich bin auch dazugestoßen, stelle eine freie Liege dazu.
Hanka und Daria heißen die beiden Frauen. Jan und Marek die beiden Söhne von Hanka, Peter der Sohn von Daria.
Das Freibad ist trotz gutem Wetter jetzt am Abend nicht gut besucht. Der Regen am Morgen hat viele mögliche Besucher abgeschreckt. Daria fühlt sich im Schatten nicht wohl, ihr ist kalt. Unkoordiniert packt sie ihre Liege und Handtücher und stolpert 15 Meter weiter und platziert sich inmitten von Waschbetonplatten in der Sonne. Der Abstand der Gruppe zueinander bleibt gut zehn Minuten stabil, dann suchen auch alle anderen einen Platz an der Sonne und in Darias weitläufiger Umgebung. Daria regt an, Aperol Sprizz zu trinken.
2.
Daria springt ins Wasser und schwimmt, Hanka und die anderen bleiben auf ihren Liegen. Ich weiß kurz nicht, warum ich fast fünf Meter von den anderen entfernt bin. Ich bin genau zwischen Daria und Hanka platziert, aber weil Daria im Wasser schwimmt, verändert sich die Anordnung eigenartig. Ich stelle meine Sachen zu Hanka und biete an, eine Runde Aperol Sprizz auszugeben und bewege mich in Richtung der Getränkebar.
Es gibt heute kein Aperol mehr. Also kaufe ich je zwei Deziliter Prosecco für die Frauen und einen weißen Spritzer für mich.
Drei Meter vom Beckenrand sitzt nun Hanka, Daria lehnt im Wasser am Beckenrand. Sie plaudern über Darias Scheidung. Beide schimpfen, es ist keine einvernehmliche Trennung. Hanka spricht Daria mehrfach darauf an, dass auf ihrem Platz Prosecco bereit steht. Daria überhört alle Sätze und schwimmt nach einiger Zeit weiter ihre Bahnen. Hanka hat ihren Prosecco getrunken und ich meinen Weißwein gespritzt. Erst als Daria aus dem Wasser steigt, trinkt sie, in der Sonne trocknend, ihre zwei Deziliter. Daria fragt nicht, ob es durch den fehlenden Schatten nicht aufgewärmt schmeckt.
3.
Es wird gemeinsam beschlossen, bei Hanka noch gemeinsam Abend zu essen, deshalb verlassen alle das Freibad. Hanka, ihre Kinder und ich bewegen uns schon Richtung Ausgang. Als wir losgehen, packt Daria ihre Tasche noch einmal aus und sucht einen Gegenstand. Ihr Sohn bleibt bei ihr. Die Spannweite der maximalen Trennung beträgt die Distanz zwischen Sport- und Kleinkindbecken. Auch auf der Straße vor dem Freibad schließt sich die Lücke nicht. Der in die Länge gezogene Entenmarsch löst sich endgültig auf, als Daria an einem Kaffeehaus nicht vorbei kommt. Sie erinnert, dass sie diesentags noch keinen Kaffee getrunken hat und verschwindet im Kaffeehaus. Hanka, alle drei Kinder und ich verlangsamen das Tempo.
“Máš hotovosť?”
Im Kaffeehaus wird nur Bargeld akzeptiert, Daria ruft Hanka knappe hundert Meter nach. Hanka hilft ihr aus, Daria trinkt ihren Kaffee im Becher zum Mitnehmen. “Hast du zuhause keinen Kaffee?” Jan denkt praktisch.
“Natürlich. Aber das ist immer so.”
Der Pappbecher ist mit einer funktionalistisch aufgedruckten Blume verziert. Die Karawane zieht weiter.
4.
Hanka beginnt, wie in der Gruppe besprochen, Pappardelle Pomodoro zuzubereiten. Daria bereitet für Peter Schinken mit Mozzarella zu, er ist sehr wählerisch. Während der Zubereitung isst auch sie bereits Schinken. Die Kinder selbst spielen und unterhalten sich hörbar in den Zimmern und haben Spaß. Der individuelle Raum in der Küchenzeile bleibt knapp, es konkurrieren drei Bewegungslinien. Hanka räumt gleichzeitig auf, kocht. Und gemeinsam ziehen sie und Daria Lebensmittel aus dem Kühlschrank, schneiden und verarbeiten sie. Immer wieder treffen sie sich am Schneidbrett.
Die Kinder essen, die Teigwaren wandern von der Anrichteschüssel auf die Teller. Nur der Schinken mit Mozzarella bleibt von den Nudeln, der Soße und dem Hartkäse unberührt. Ansonsten verteilt sich der Parmesan auf den Tellern und am gesamten Tisch. Alle reden aneinander vorbei, Peter benennt sämtliche Nummerierungen einer italienischen Pastasorte und stellt damit zwischen den losen Gesprächsfäden eine Verbindungsmuffe her. Er ist überrascht, dass er genau bei der Nummerierung der Pappardelle irrt, wie eine Überprüfung auf einer der leeren Kartonverpackungen zeigt.
Hanka isst am schnellsten auf und wartet. Als sich alle satt gegessen haben, landen alle Teller im Geschirrspüler. Nebeneinander aufgereiht sind sie mit funktionalistischem Blumenmuster verziert.