Der Zug rollt verdammt langsam, obwohl er schneller sein soll. Ich habe etwas Durst und Hunger, fahre vom Nachtdienst nach Hause. Es ist das erste Mal seit eineinhalb Jahren, dass ich den Zug “oben drüber” von Wien nach Bratislava benutzen kann, weil die Grenzbrücke elektrifiziert wurde. Es ist Montagvormittag und der Zug ist erstaunlich voll. Ich bin gespannt, ob die Fahrgäste alle nach Bratislava fahren oder vorher welche aussteigen werden. Die beiden jungen Amerikaner neben mir, die unentwegt mit ihren Handys spielen und sich alle fünf Minuten einen Satz zuwerfen, sicher. Im Zug sitzen viele US-Amerikaner.
Außerhalb Wiens wird der Zug schneller, die Realität gleicht sich an die Geschwindigkeit an. Über der Marchbrücke packen alle US-Bürger ihre Getränke und Lebensmittel weg, die Brillenträgerinnen stecken ihre stylischen Brillen in die Taschen. Kaum über der Staatsgrenze sprechen alle von einer Sekunde auf die andere fließend slowakisch. Wer glaubt schon, dass so viele Amerikaner in einem einzigen Zug sitzen! Das Filmteam, das ich übersehen habe, packt Kameras und Beleuchtungsstative weg. Ich weiß nicht, wie man mitspielt. Es werden Mohnnudeln mit Staubzucker in Schachteln verteilt. Niemand weiß, von wem sie bezahlt werden. Ich esse dennoch nichts, mir reicht es, zu entspannen. Zwischen Devinska Nova Ves und Bratislava wird geschmatzt, die Fahrgäste kommen an. Vom Bahnhof aus verschwinden alle schnell nach Hause. Der Bahnhof ist leer. Ich atme erleichtert. Morgen fahre ich wieder. Ich bleibe stehen.