Mir fällt nicht ein, ob es so etwas schon einmal gegeben hat. Und allein wenn ich daran denke, wird mir kalt. Warum um alles in der Welt, will die Regierung jetzt Wäscheleinen verbieten? Nicht für alle, sagt er, der Regierungskommissär, der mich heute besucht hat. Ein echter Charmeur! Mir ist dabei warm ums Herz, aber die Sache mit den Wäscheleinen verwirrt mich. Wen interessiert, ob Wäsche in den Hintergärten und Höfen gerade oder schief hängt?
Die Wäschespinne im Garten meiner Großmutter erinnere ich genau. Warme Frühlingsluft und da sind nur kurze Fäden drauf. Auf der Wäschespinne waren sie blau. Lange hat sich auch die Farbe Gelb in diese Erinnerung bei mir eingeschlichen. Das waren aber die gelbfaltrigen Schmetterlinge und májová bryndza. Der Geruch der frischen Wäsche im Garten! Nur der klebrige Geruch frisch ausgelöster Erbsen auf meinen Fingern war in meiner Kindheit wärmer. Der Kommissär hat gekichert, er will nächste Woche wieder kontrollieren – weil, er konnte mir nicht sagen, ob das Verbot der Wäscheleinen erst ab der Überschreitung einer gewissen Schnurlänge gelten wird und Wäschespinnen vielleicht ausgeschlossen sind.
Ich bin aufgeregt! Irgendetwas will ich mit diesem Herrn Kommissär noch besprechen. Ich weiß nur noch nicht was. Mir wird kalt und warm ums Herz, gleichzeitig. Bedenkt etwa irgendein Wichtiger, dass wenn die Wäsche nicht mehr auf Leinen in den Gärten hängen wird… Vor vierzehn Jahren hatte eine Nachbarin massiven Schimmelbefall in einem Zimmer, weil sie dort feuchte Wäsche hängen hatte. Vielleicht läuft es ihm kalt über den Rücken, wenn er mitdenkt, dass dann sicher nicht alle ordentlich lüften werden. Hinterzimmer als Wäschekammern, tsts… Ich möchte ihn auch mehr fragen. Zum Beispiel warum seine Wäsche riecht wie die frische Wäsche im Garten meiner Großmutter. Welchen Geruch benötigen die Wäscheleinen?
Ich habe ihm lauwarm geschrieben. Er ist verheiratet.