Mittagsmenügeschäft, Freitag. Der Kellner arbeitet genau, kennt seine Wege. Er serviert gehetzt, fragt schnell. “Kein Kofola, Pepsi aus der Flasche.” “Nur Reis zu den Hühnerfilets mit Honig-Senf-Sauce. Rosmarinerdäpfel sind heute aus.” Zurück hinter die Bar, Getränkekleinflaschen öffnen, Bestellungen in der Küche abgeben. Kurzer Blick über die Köpfe der Gäste hinweg, dreimal durchatmen; kurzes Kratzen des Vollbartes, nächste Runde, schneller Schritt. Er kann den Betrieb alleine abwickeln, der Gastgarten ist geschlossen. Die Temperatur ist auch zu Mittag nur drei Grad Celsius unter Null. Seit Wochen schon bemüht sich das Wetter in diesem Winter der Jahreszeit tatsächlich zu entsprechen. Auf einem kleinen Tisch in der Mitte des Lokals sitzt eine alte Frau. Sie bezahlt beim Kellner mit Bargeld, das sie langsam aus der Tasche zieht. Der Kellner steckt es sortierend in die Brieftasche.
Er legt die Börse auf den Stuhl, den er etwas zur Seite schiebt. Die Stirnfalten in seinem Gesicht lockern sich, er geht in die Hocke. Beide Oberschenkel winkeln sich 120 Grad von seinen Schienbeinen ab. Seine Augenpartie ist exakt auf der gleichen Höhe wie jene der alten Frau. Sein Gesicht bleibt 77 Zentimeter vom Gesicht der Frau entfernt, sein rechter Ellbogenkegel ist sanft am Tisch abgelegt. Die alte Frau erzählt von Wegen, die sie noch zu erledigen hat. Und von der Nachbarin, die oft sperrige Gegenstände im Stiegenhaus lagert. In diesen gut 2 Minuten… Das Essen hat ihr geschmeckt. Bedächtig steht die Frau auf, er hilft ihr, in eine dicke Winterjacke zu schlüpfen. Langsam müht sie sich zum Ausgang, verabschiedet sich mit ihrer brüchigen Stimme. Freundlich hält der Kellner die Tür auf. Oft ist sie diesen Weg schon gegangen.
Die Tür klackt zurück im Schloss, der Kältezug der kurzen Öffnung hat sich wieder verzogen. Mittagsmenügeschäft, Freitag.