Exekution

Irgendwann wird Bratislava Petržalka am Zug anhalten. Die Landschaften werden am Fenster vorbeigezogen. Die Maschinen der Lokomotive exekutieren die Bewegung wie errechnet, der Zugführer braucht nur zu überwachen. Ein Mitreisender hinter mir legt sich über zwei Sitze und schläft. Eine andere drei Reihen vor mir auf der gegenüberliegenden Gangseite öffnet ihren Laptop und scheint zu arbeiten.
Klack, klack, klack.

Die Anzeige auf dem Bildschirm in den Waggons ist programmiert, gibt relative und absolute Auskünfte. In 39 Minuten wird es so weit sein, ďalšia zastávka: Bratislava Petržalka. Sie springt im Intervall auch auf Englisch und Deutsch über – nächster Halt für Petržalka am RJX 19910. Der Bahnhof nähert sich, laut Anzeige, mit 140 Kilometern pro Stunde.
Die Idee fertig, der Plot entwickelt, die Dramaturgie gesetzt. Es reicht aus, den Laptop zu öffnen und die ersten Zeilen zu tippen. Regungslos liegen meine Fingerkuppen auf der Tastatur, meine Wadenmuskulatur spannt und entspannt sich rhythmisch –  29 Minuten noch. Ich blicke aus dem Fenster und werde von  regennassen brachliegenden Asphaltflächen vor Industrielagerhallen überrascht.
Drei Reihen vor mir:
Klack, klack, klack, klack, klack.
Brücken, Bahnhöfe folgen, bereits wieder im Trockenen. Kein Anschlag, keine Zeile. 11 Minuten, Annäherung mit weniger als 100 Kilometern pro Stunde.
Hinter mir: abgehacktes Schnarchen.
Exekutiert sich die Idee? Klack, Laptops zu. 

Bratislava Petržalka hält plantreu am Zug.